Ab auf die Piste!

Perfekt, auf uns wartet das Pistenparadies mit reichlich Schnee und fetten zehn Tagen Skiurlaub! Wir – das sind Veronika, Tom, Ferdi und ich – machen uns Anfang Januar auf den Weg. Unser Ziel: Les Arcs. Das Skigebiet liegt auf 1.800 Metern Höhe mitten in den französischen Alpen. Hüttenromantik im beschaulichen Skidorf, wie man sie oft in der Schweiz vorfindet, sucht man hier vergebens. Dafür gibt es bezahlbare Unterkünfte in riesigen Appartementhäusern, tolle Leute und nette Partylocations. Wir freuen uns auf rund 100 Pisten und 200 Kilometer Abfahrten, die Les Arcs bietet.

Hartgesottene zieht es in Les Arcs auf die schwarz ausgezeichneten Buckelpisten, aber es gibt auch gemütliche Abfahrten, die blau markiert sind. Wir alle sind erfahrene Skiläufer. Klar, Unfälle passieren. Aber uns doch nicht! Ich beispielsweise war noch nie im Krankenhaus und werde so gut wie nie krank.

 

Wir haben an alles gedacht: die Ausrüstung leihen wir vor Ort – dann hat man nicht so viel zu schleppen. Im Gepäck verstaut sind Ski-Overalls, Wechselklamotten,  Schokolade, Spiele und ein paar Zutaten fürs Lieblingsessen am Abend. Was gibt es Schöneres, als nach dem Tag auf der Piste zurück ins Warme zu kommen und gemeinsam zu kochen und zu essen? Aber der Reihe nach ...

Tag eins am Urlaubsort: Tom und Ferdi bereiten das Frühstück vor, Veronika und ich stiefeln los, um Baguette und Skipässe zu besorgen. Zumindest haben wir das vor. Leider kommen wir noch nicht mal bis zur „Boulangerie“, um Brot zu kaufen. Ich erinnere mich noch, dass Veronika und ich lachend über die hölzernen Verbindungsstege zwischen den Wohnanlagen liefen, weil wir Toms Bommelmütze so schräg fanden. Ganz schön glatt waren die Bretter an mancher Stelle. Meine Winterboots mit robuster Sohle dösten natürlich noch hübsch in der Reisetasche vor sich hin, während ich mit meinen Stiefeletten samt glatter Sohle unterwegs war.
Mein Sturz war garantiert filmreif. Wie im Comic rannten meine Beine noch auf der Stelle ... Flatsch! Ausgerutscht! Das war’s ... Mit der Hand wollte ich noch den harten Aufprall verhindern, dann wurde mir schwarz vor Augen und ich verlor das Bewusstsein. Veronika meinte später, ich hätte sicher fünf Minuten regungslos dagelegen.

 

„Hey, das ist doch nicht so schlimm, da packen wir später ordentlich Eis drauf“, meinte Ferdi später, als wir zum Appartement zurückkommen. „Verdammt, das hat wehgetan“, konterte ich. Bis heute kann ich mir nicht erklären, warum ich kurze Zeit später, nachdem die Jungs dann noch unsere Skipässe und Brot besorgt hatten, doch auf der Piste stand. Wäre ich nur gleich zum Doc gegangen.

Nicht mal die schwarze Buckelpiste blieb mir am ersten Tag erspart. Dass wir diese ansteuerten, merkten wir nämlich erst, als wir schon im Sessellift saßen. Endstation: Buckelpiste. Als wir abends zurück ins Appartement kamen und ich meine Handschuhe auszog, war mein Handgelenk so dick wie eine Orange. Ein höllischer Schmerz zog hoch bis in die Schulter. Auch die gesammelten Eiswürfel von den Zimmernachbarn halfen als Wickelverband nicht lange.

 

Tja, zu vorgerückter Stunde saß ich dann am Sonntagabend beim Notarzt in den französischen Alpen. Ein Träumchen, wie man sich vorstellen kann. Sein Englisch war holprig, aber besser als meine paar Brocken Französisch. Er signalisierte mir mit Gesten und einer kleinen Skizze, dass meine Verletzung eine typische Snowboarder-Verletzung sei. Das Röntgenbild ließ meine größte Angst wahr werden. Diagnose: angebrochenes Handgelenk. „OMG!“, schoss es mir durch den Kopf.

 

Noch am selben Abend bekam ich einen roten Armgips verpasst, der das Handgelenk fixiert. Die Ärzte in Skigebieten sind geübt darin, einen Gips so anzupassen, dass man sogar noch den Skistock halten und die Sicherheitsschlaufe drüberziehen kann. Passt! Ich kann wieder zurück ins Appartement zu den anderen. Damit war der Skiurlaub für mich zum Glück nicht  gelaufen. Durch die ärztliche Versorgung konnte ich weiter auf die Piste. Ein bisschen eingeschränkt war ich schon, was die Bewegung anging. Aber immerhin, es hätte viel schlimmer sein können. Gut, dass ich von Freunden den Tipp bekam, mich um den Versicherungsschutz im Krankheitsfall zu kümmern. So war die Arztbehandlung im Ausland gar keine große Sache.

Abends im Club sah das natürlich schon wieder anders aus. Da grüßten sich dann Leute mit Gipsarm oder -bein und tauschten atemberaubende Unfallstorys aus. Aber pssssst – ich habe natürlich nicht zum Besten gegeben, dass mein Unfall lediglich auf dem Weg zum Bäcker passiert ist.