Von Profis lernen

Muskelprotz, Materialfreak, Besserwisser. Es gibt Sporttypen, die kennt jeder. Von manchen können wir was lernen. Von anderen besser nicht.

 

Unser Experte: Felix Klemme ist Diplom-Sportwissenschaftler, Personal Coach und Life-Coach.

 

Mr. Alles

Von A wie Ausdauersport bis Z wie Zumba. Er hat schon so ziemlich alles ausprobiert. Hängen geblieben ist er aber bisher nirgendwo. Er ist rastlos, manchmal hektisch und braucht auch gerade mal wieder Urlaub. Den bucht er gleich mit Kurs und probiert Kiten. Wellenreiten war er ja schon letzten Sommer.

Typischer Spruch: „Hab ich auch schon probiert.“ 

Das sagt der Experte: „Das ist jemand, der Abwechslung braucht. Vermutlich wechselt er auch Job und Freunde öfter. Rein sportlich gesehen ist es gar nicht schlecht, alles mal zu probieren. Hier ist jemand viel in Bewegung und hat Freude dran.“

 

Der Besserwisser

Der Trainer weiß viel. Der Besserwisser weiß es besser. Im Kurs schlägt er nie unvorbereitet auf. Emsig hat er vorher im Internet recherchiert. Ganz offensichtlich mit seinem Wissen protzen, will er aber nicht. Trotzdem sollen die anderen mitbekommen, dass er was weiß. Deshalb nutzt der Besserwisser Tricks: Er stellt Fragen, die so ins Detail gehen, dass es eigentlich keinen mehr interessiert. Oder: Er sagt was und setzt ans Ende des Satzes einfach ein Fragezeichen. Der Trainer reagiert darauf, der Besserwisser freut sich.

Typischer Spruch: „Das ist doch wie beim ..., oder?!“

Das sagt der Experte: „Wer nicht so gut im Sport ist, will auf anderer Ebene glänzen und sucht Anerkennung. Die gibt’s vielleicht sogar. Sympathie eher weniger.“

 

Der Ironman

Er läuft und läuft und läuft. Gerne auch Marathon.

Typischer Spruch: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ (Eigentlich von Friedrich Nietzsche)

Das sagt der Experte: „Er hat gelernt, im Leben Schmerzen auszuhalten, und ist Meister darin, sich zu motivieren. Manche benutzen Sport aber auch, um vor etwas wegzulaufen. Dabei muss man sich mal nicht mit anderen Dingen auseinandersetzen, sondern hat den Kopf frei. Immer weglaufen geht aber nicht.“

 

Der Muskelprotz

Kleine Gewichte kann jeder. Der Muskelprotz schafft auch die dicken Dinger. Richtig Gas gibt er aber vor der Spiegelwand. Wer ihn im Fitnessstudio beobachtet, mag sich gar nicht vorstellen, wie er zu Hause unbeobachtet Posen probt. Der Muskelprotz hat immer seinen eigenen Trinkschüttelbecher dabei. Er trinkt kein Wasser, sondern Eiweiß-Shake.

Typischer Spruch: „Lass mal pumpen gehen.“ 

Das sagt der Experte: „Hier möchte jemand über den Körper Wirkung erzielen. Das ist wie in der Tierwelt, wenn sich der Pfau aufplustert. Meistens sind diese Leute im Kern sehr zart und verletzlich. Vorsicht: Dem Körper können zu viel Training und bestimmte Nahrungsmittel gefährlich werden.“

 

Die Fitnessmaus

Sie ist das Gegenstück zum Muskelprotz. Doch während er auf Aufplustern aus ist, will die Fitnessmaus rank und schlank sein – superschlank. Die Waage ist ihr Feind. Sie isst einen Keks und rennt direkt um den Block. Ihr Essen ist penibel rationiert. Im Büro knabbert sie meistens Möhren – kiloweise. Hosen kauft sie eine Nummer kleiner, weil sie ja noch was abnehmen will.

Typischer Spruch: „Bin ich zu dick?!“ 

Das sagt der Experte: „Auch hier soll der Körper auf andere wirken. Wer auf Dauer zu viel abnimmt und seinen Körperfettanteil zu stark reduziert, läuft Gefahr, seinen Körper zu schädigen.“

 

Der Materialfreak

Er hat eigentlich alles, aber immer noch nicht genug. Sobald es was Neues gibt, will er es haben. 

Typischer Spruch: „Hast du meine neuen Turnschuhe gesehen?!!“

Das sagt der Experte: „Dem Materialfreak geht’s nicht unbedingt um die äußere Wirkung. Manchmal sind das Leute, die wie Eichhörnchen alles sammeln. Im schlimmsten Fall hat der Materialfreak alles zu Hause, aber benutzt nichts. Im besten Fall bekommt er durch das, was er kauft, richtig Lust auf Sport.“

 

Die Couchpotato

Es regnet. Der Hals kratzt. Hunger. Bauch voll. Sportsachen nicht gewaschen. Joggingschuhe drücken. Zu spät von der Arbeit gekommen. Der Wind steht schlecht. Es gibt unzählige Gründe, warum die Couchpotato glaubt, auf dem Sofa besser aufgehoben zu sein, als irgendwo joggend auf der Straße oder im Sportclub. Seht ihr anders? Was, bitte, seid ihr für motivierte Freaks?!! 

Typischer Spruch: „Ich hatte heute viel vor – jetzt habe ich morgen viel vor.“

Das sagt der Experte: „Ein bisschen Couchpotato steckt in jedem von uns. Jeder sitzt gerne gemütlich auf dem Sofa. Das ist ein Stück weit auch normal. Bewegung ist evolutionär etwas, das ein vernünftiges Ziel hat. So wie Jagen und Beute machen. Wenn es mit dem Aufraffen so gar nicht klappt, kann man es mal mit etwas probieren, das sich nach Abenteuer anfühlt und wobei man nicht gewinnen oder verlieren kann. Klettern zum Beispiel.“